Das digitalisierte Ich

Verfasst am 02.02.2010 um 20:37 Uhr von

Manches Verhalten und Denken unserer Mitmenschen ist mittlerweile so mechanisch geworden, dass man das Gefühl hat, wir entwickeln uns zu stupiden Maschinen ohne Emotion. Leute, schaltet Eure Festplatten einfach mal ab und lasst Euch nicht digitalisieren …

Ja, sicher leben wir im Zeitalter in dem die digitale Welt unseren Tagesablauf irgendwo mehr oder weniger bestimmt, bzw. mitbestimmt. Schaut man in die Gesichter auf den Straßen gibt es natürlich auch gut gelaunte, doch die Mehrheit schaut recht unmotiviert und schlecht gelaunt daher. Hört man in die Wirtschaft und die Geschäftswelt, scheint es nichts wichtigeres zu geben als Umsatz, Umsatz, Umsatz. Und die Geschwindigkeit den Umsatz zu machen nimmt zu, wie aber auch die Anforderungen. Man erlebt Meetings, da sitzen erwachsene Menschen in einem Workshop und neun von zehn haben ihr Laptop aufgeklappt, damit ihnen nichts entgeht. Und ist es nicht das Laptop, liegt der Blackberry, ein iPhone oder sonst was in der Nähe, dass digitale Wichtigkeit vermittelt. Hallo? Zwickt mich mal. Gibt es noch so etwas wie ein normales und natürliches Gespräch?

Und ja, ich habe zunehmend das Gefühl, dass sich in gewissen Ebenen und Wirtschaftszweigen auch das Verhalten dem »Digitalismus« anpasst. Digitalismus, der fast zum persönlichen Terrorismus ausartet. Wie soll das auch funktionieren, wenn die menschlichen Sensoren nur noch in irgendwelche Bildschirme starren, anstatt ihr Umfeld feinfühlig wahr zu nehmen? Das Denken ist in den letzten 10 Jahren auf jeden Fall »mechanischer« geworden. Was ich damit meine? Nun, man hat das Gefühl, das Starren geradeaus in die Bildschirme überträgt sich auch auf das Verhalten. Geradeaus und durch. Nur nicht auf sein Umfeld achten oder seine Mitmenschen wahrnehmen. Hauptsache, das eigene Ziel wird erreicht, der Umsatz stimmt und das Lob des Chefs lässt auf die nächste Beförderung hoffen, damit am Ende die liebe Kohle und vor allem das Ego stimmt.

Auf der anderen Seite gibt es aber zum Glück auch noch die handfesten Berufe wie die des Handwerks oder auch diejenigen, die draussen anpacken und durch ihren Aktionismus versuchen anderen Menschen zu helfen, oder etwas zu verändern und zu bewegen. Und das Helfen ist für so viele »Kopfmenschen« in der Gesellschaft mit dem Gefühl alleine nicht mehr möglich. Sie sind so sehr damit beschäftigt zehn Dinge gleichzeitig zu erledigen, dass sie nicht einmal bemerken, dass ihr Hamsterrad gar nicht mehr zum Stillstand kommt. Diese Menschen brauchen wieder Anregungen aus der Gesellschaft oder von ihren Mitmenschen, die sie aufwecken und zum Mitmachen motivieren.

Leider aber ist das alles nicht so einfach, da wir alle irgendwie auch noch existieren müssen. Existieren ist dabei vielleicht auch der richtige Ausdruck, da er so schön zum Mechanischen passt. Man kennt sie ja diese Sprüche wie »Ich arbeite, um zu leben«, oder »Ich lebe, um zu arbeiten«. Wenn man statt dem Wort »leben« das Wort »existieren« einsetzt, trifft das den Punkt schon sehr genau und man spürt förmlich, wie man sich mit solchen Sprüchen selbst armselig macht, obwohl man das vielleicht gar nicht ist.

Die meisten von uns »leben« nicht, sie »existieren«, das stimmt schon. Wie in einer Art Wachschlaf existieren wir vor uns hin. Die Masse verhält sich fast schon wie ihre Festplatten im Computer. Auf diese werden Daten gespeichert, die dann man dann bei Bedarf wieder abrufen kann. Das Problem daran ist allerdings, dass Daten älter werden und mit dem älter werden auch uninteressanter. Es sei' denn man greift dann in 20 Jahren wieder auf sie zurück, so wie man das gerne mit alten Fotoalben tut, und stellt dann fest wie schnell die Zeit doch verging.

Das weitere Problem einer Festplatte ist auch, dass sie irgendwann voll ist. Voll mit Müll und alten Daten. Da der Mensch nun auch irgendwie als Sammler bekannt ist, wird die alte Festplatte aufgehoben und all' die alten Daten im Inneren des Körpers gespeichert. Die neue, noch viel größere Festplatte, steht schon bereit und kann mit neuen Daten beschrieben werden. Doch leider sieht die Realität Mensch hier anders aus. Wir haben wo Natur aus schon eine sehr große Festplatte (unser Gehirn), die wir allerdings nur zu 5 bis 7% wirklich nutzen. Die »seelische Festplatte« allerdings hat nur eine begrenzte Kapazität. Diese voll zu stopfen mit unnötigem Datenmüll wirkt sich eher ungesund auf uns aus. Manche Menschen entleeren diesen Müll, viele aber leider nicht, was letztlich zu einer gewissen Starrheit und Unlust führt, da wir unbewusst einfach überlastet sind und dann wirklich nur noch mechanisch funktionieren, wenn wir überhaupt noch funktionieren.

Was ich mit diesem Artikel vermitteln möchte ist, dass wir einfach mal wieder mehr in uns hinein hören sollten. Mehr Achtsamkeit uns gegenüber, aber auch unseren Mitmenschen gegenüber. Mal in uns hinein zu hören wo es sich gerade unwohl anfühlt oder wo mal aufgeräumt werden sollte. Das ist ein Prozess, der erst mal rein uns selbst etwas angeht. Leute, achtet mehr auf Euch selbst und schaltet das Mechanische Denken einfach mal aus. Denkt für Euch selbst und habt eine eigene Meinung. Und versucht im digitalen Zeitalter auch mal zu spüren wie es sich anfühlt, mal nicht online oder für jeden zu jeder Zeit verfügbar zu sein.


Lieben Gruß
Toby O. Rink

 

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